
Selbstständigkeit zurückgewinnen – mit Ergotherapie
Ergotherapeutin Marloes hilft Menschen, ihre Freiheit Zurückzuerlangen
„Ich möchte mich draußen wieder selbstständig bewegen können“ – mit diesem Wunsch kommen viele Menschen zu Ergotherapeutin Marloes Poppink. Mehrmals pro Woche begleitet sie Menschen auf diesem Weg. Gemeinsam suchen sie nach einer passenden Lösung. So hilft sie ihnen ganz konkret dabei, wieder auf die Beine zu kommen.
Marloes Poppink ist Ergo- und Handtherapeutin. „Viele Menschen, die zu mir kommen, haben Angst zu stürzen. Sie trauen sich nicht mehr zu radeln. Sie sind bereits hingefallen, sie können nicht mehr sicher auf- oder absteigen und haben Gleichgewichtsprobleme“, erzählt sie.
Im Erstgespräch fragt sie deshalb vor allem eines: Was möchten Sie wieder tun können? „Die einen möchten wieder selbstständig in der Stadt einkaufen gehen, andere ihre Kinder besuchen. Und manche wünschen sich einfach nur eine kleine Fahrradtour mit ihrem Partner. Was alle verbindet: Sie möchten nicht mehr abhängig sein. Manchmal nehmen wir kleine Anpassungen am Rad vor – etwa um das Auf- und Absteigen zu erleichtern. In anderen Fällen ist ein Wechsel auf ein Rad mit niedrigem Einstieg sinnvoll. Dann können beide Füße auf dem Boden stehen, während man im Sattel sitzt. Egal welche Lösung am Ende passt – entscheidend ist, dass Menschen wieder frei und selbstständig unterwegs sein können.“
„Marloes hat mir die Angst vor dem Umfallen genommen – mit einem Dreirad kann das gar nicht passieren“
Wieder selbstständig unterwegs
Wie sich das anfühlt, weiß Wim Meijer aus eigener Erfahrung. Nach einem Schlaganfall merkte er schnell, dass sein altes Fahrrad für ihn nicht mehr geeignet war. „Natürlich habe ich es noch einmal versucht – und bin direkt in einer Hecke gelandet“, erinnert er sich. „Dann habe ich in einer Fahrradwerkstatt ein normales Dreirad ausprobiert. Der Mechaniker hat das schnell bereut, denn ich konnte es überhaupt nicht steuern und habe prompt alle Fahrräder im Laden umgerissen.“ Nach diesem Erlebnis landete er bei Marloes – sein Wunsch nach Selbstständigkeit war groß. „Marloes setzte mich auf das Rad Easy Rider, und dort, auf dem Parkplatz, eröffnete sich mir eine völlig neue Welt. Als ich das Rad bekam, bin ich am ersten Wochenende gleich 25 Kilometer gefahren. Meine Freiheit war zurück – fantastisch!“ Marloes kennt solche Reaktionen gut: „Für die meisten eröffnet sich eine neue Welt, wenn sie wieder radeln können.“ Gleichzeitig betont sie, dass der Umstieg auf ein Dreirad nicht einfach nur eine Frage des „Aufsteigens und Losfahrens“ ist. „Es dauert, bis man sich daran gewöhnt hat. Das wird oft unterschätzt. In der Fahrtechnik unterscheidet es sich stark vom normalen Rad. Ein Zweirad steuert man mit dem Oberkörper – ein Dreirad nicht. Man sitzt wie ein ‚Sack Mehl‘ auf dem Sattel, der Oberkörper muss nichts tun. Viele steigen auf ein hohes Dreirad und sagen sofort: Das ist nichts für mich. Denn die Erfahrung ist einfach anders. Doch dann entdecken sie das Modell Easy Rider, hier sitzt man etwas tiefer und komfortabler. Und selbst mit eingeschränkter Kraft in Armen oder Beinen lässt es sich dank verschiedener Optionen gut fahren.“
Gemeinsam fahren
Damit sie sich unterwegs selbstbewusst und sicher fühlen, plant Marloes mit neuen Dreiradfahrern immer ein paar „Fahreinheiten“ ein. „Wir beginnen ganz langsam. Ich gehe nebenher und gebe der Person Halt. Jedes Mal fahren wir ein Stück weiter. Schließlich üben wir genau die Strecken, die jemand oft fährt – zum Beispiel vom Haus zum Supermarkt. So wissen sie genau, worauf sie achten müssen. Ich schaue mir auch das Wohnumfeld an: Gibt es Schwellen oder Poller in der Nähe? Wie bekomme ich das Rad in den Schuppen und wieder heraus? Solche Dinge sind wichtig. Manche fahren nach wenigen Einheiten schon selbstständig, andere üben lieber etwas länger.” Wim hat diese gemeinsamen ersten Kilometer sehr genossen. „Marloes hat mir die Angst vor dem Umfallen genommen – mit einem Dreirad kann das gar nicht passieren. Es ist ein bisschen so, als würde man vom normalen Auto auf einen Van umsteigen: In den Kurven muss man etwas vorsichtiger sein, weil man breiter unterwegs ist. Es hilft, wenn jemand hinter einem fährt und einen darauf aufmerksam macht.“
Ein großer Schritt
Für viele Menschen ist die Entscheidung für ein Dreirad ein großer Schritt. Auch für Wim war das so: „Man muss akzeptieren, dass man nie wieder ein normales Fahrrad fahren wird. Daran muss man sich erst gewöhnen. Aber ich bin überglücklich mit meinem Easy Rider. Das Rad bringt mich überall hin und ist dabei richtig cool“, sagt er lachend. „Es ist schließlich auch schön, wenn man gut aussieht.“
Für Wim hat sein Easy Rider seine Welt vergrößert. Heute fährt er fast wöchentlich mit 14 anderen Dreiradfahrern, alle zwischen 50 und 70 Jahren, wenn das Wetter schön ist. „Wir planen spaßige Touren, machen Pausen im Café und besuchen Orte, an die ich sonst nie gekommen wäre. Ich genieße es in vollen Zügen!“ ■
Tipps für Ihre ersten Fahrten mit dem Dreirad
Fahren Sie anfangs immer mit einer Begleitperson – sie hilft, Ihnen ein Gefühl für die Breite des Rads zu bekommen.
Nehmen Sie Kurven großzügig, damit kein Rad im Grünstreifen stecken bleibt.
Wenn Sie anhalten müssen, bleiben die Füße auf den Pedalen – setzen Sie sie nicht auf den Boden.
Versuchen Sie nicht, mit dem Ober-körper zu lenken. Auf dem Dreirad können Sie entspannt mit den Armen steuern.
Nutzen Sie die Anfahrhilfe – das erleichtert den Start enorm.
Ziehen Sie beim Auf- und Absteigen immer die Feststellbremse an.
Geben Sie sich Zeit, sich an das Dreirad zu gewöhnen. Üben Sie in einer ruhigen Umgebung mit ebenem Untergrund und steigern Sie sich langsam zu schwierigeren Situationen wie Kopfsteinpflaster oder stärkerem Verkehr.