Mit beiden Beinen fest auf dem Boden

Ingenieurs-kunst hält Harry Slinger mobil 

„Auf einem normalen Fahrrad kommt man nur mit den
Zehenspitzen auf den Boden – nicht mit dem ganzen Fuß“

Der Sänger Harry Slinger ist 76, aber das sieht man ihm nicht an. Er steht noch immer mehrmals pro Woche auf Bühnen in den ganzen Niederlanden, ist fit, gesund und voller Energie. Das ist kein Zufall. Sein Geheimnis ist ganz einfach: „Viel Rad fahren. Das hält jung.“

Dass er sich dem 80. Lebensjahr nähert, bedeutet für Harry keineswegs, kürzerzutreten. Fragt man ihn nach seinem Alter, antwortet der gut gelaunte Amsterdamer: „Ich bin Jahrgang 1949. Das klingt doch gleich viel besser.“ Zwei bis drei energiegeladene Auftritte pro Woche verlangen eine gute Kondition. „Auf der Bühne muss man beweglich sein. Der Körper muss mitspielen. Radfahren hält mich in Schwung und in Topform.“


Gleichgewichtsprobleme

Doch diese Topform war nicht immer selbstverständlich. Schon als Kind hatte Harry Hörprobleme. Vor 20 Jahren erhielt er deshalb ein spezielles Hörgerät, das im Schädelknochen verankert ist. Seine Gleichgewichtsprobleme löste das jedoch nicht. „Ich bin ständig umgekippt“, erzählt er. „Auf einem normalen Fahrrad kommt man nur mit den Zehenspitzen auf den Boden – nicht mit dem ganzen Fuß. Radfahren war für mich nicht mehr möglich.“
Er klopfte bei einem Fahrradladen in der Region Zaanstreek an, aber kein Modell entsprach seinen Bedürfnissen. Man verwies ihn schließlich nach Varsseveld (NL).
„Ob ich schon mal im Achterhoek gewesen sei, denn dort gebe es eine Fahrradfabrik mit eigenem Testparcours. Also bin ich hin! Vor unserem Auftritt beim Zwarte Cross  Festival habe ich vorbeigeschaut und eine Probefahrt mit dem Balance gemacht. Ich war sofort überzeugt. Ich dachte: Jetzt kann ich die Welt wieder erobern!“


Kontrolle zurück

Das Rad hat einen besonders tiefen Einstieg und ist exakt auf seine Körpergröße abgestimmt. So kann er jederzeit beide Füße vollständig auf den Boden setzen. „Eigentlich ist das doch für alle angenehm, oder? Ich verstehe nicht, warum das nicht Standard ist.“ Unverzichtbar ist für ihn auch die elektrische Anfahrhilfe: „Das ist eine geniale Erfindung! Man drückt auf einen Knopf und fährt los. Und hat genug Zeit, die Füße auf die Pedale zu setzen. Man rollt ganz entspannt an.“


Durch seine Gleichgewichtsprobleme schien Harry seinen verlässlichen Begleiter für ein aktives, gesundes Leben verloren zu haben. Doch mit dem Balance hat er wieder ein Rad, auf das er sich verlassen kann. „Bei all dem Verkehr bin ich froh, vollständige Kontrolle zu haben. Ja, ich habe die Kontrolle zurück – auf der Straße und über meine Freizeit, mein Leben. Ist das nicht großartig?“  

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„Auf der Bühne muss man beweglich sein. Radfahren hält mich in Schwung und in Topform“